Im Gespräch mit Eliane Geiser, Mezzosoprano

 

Eliane Geiser über sich, ihre wichtigsten Lebenserfahrungen und womit sie ihre Zuhörerinnen und Zuhörer noch begeistern wird.

 

Eliane Geiser, wer bist du?
Oh - ich bin bunt, blumig manchmal einfach frech, jedoch sehr einfühlsam, spontan und sehr ehrlich.

 

Was bedeutet dir das Singen?
Ich habe einmal gesagt; Singen ist für mich das Leben. Die Stimme ist ein Ausdrucksmittel für tiefste Gefühle. Ich kommuniziere über die Musik. Meine Stimme – auch die innere Stimme- hat mich geführt und ich bin ihr - nicht sofort - aber dann sehr intensiv gefolgt.

 

Wie bist Du zum Singen gekommen?
Ich habe sicher schon als kleines Kind gesungen. In meiner Familie wurde viel gesungen- mein Vater hatte eine sehr schöne Natur-Tenorstimme und meine Mutter hat mir ermöglicht schon früh Klavierunterricht zu bekommen. Ich erinnere mich; wie ich als 11-jähriges Kind ein Oratorium   (ein richtiges Konzert) mit Chor , Orchester und Solostimmen besuchen durfte. Mitten im Konzert – es ging mir durch Mark und Bein – ich hatte Hühnerhaut und war ganz aufgeregt. Ich wusste einfach: ich will singen – ich will Solistin werden.

Diesen Wunsch und dieses Ziel habe ich gehegt und gepflegt und jahrelang nur für mich behalten. Erst mit zwanzig, als ich bereits das Kindergärtnerinnen – Diplom in der Tasche hatte-, begann ich Gesangstunden zu nehmen.

Selbst jetzt, wenn ich davon erzähle, spüre ich wieder wie damals in mir Saiten anklangen – wie nie zuvor.

 

Inzwischen bist du hunderte von Male vor dem Publikum gestanden, bildest an der Musikschule Sängerinnen und Sänger aus, bist eine gefragte Privat –Gesangspägagogin, Stimmbildnerin, auch als Berufsausbildnerin, und organisierst verschiedenste Anlässe. Was waren deine bisherigen Höhepunkte?
Eine Stimme ist etwas sehr Fragiles, Verwundbares und auch sehr Kostbares. Ein Höhepunkt ist immer, wenn ich singen darf und singen kann. Für eine Sängerin, ist das Schlimmste keine Stimme mehr zu haben – ich bin sehr dankbar, wenn die Stimme da ist und sich weiterentwickelt.

Ein wunderbares Gefühl entsteht dann, wenn beim Singen der Dialog mit allen Musizierenden und mit dem Publikum entsteht. Eine Art gemeinsames Schwingen im Raum steht.

Aufregend sind Uraufführungen. Ein Werk aufzuführen, das noch nie jemand gesungen hat. Eine geistige Geburt sozusagen.

Auch die Improvisation ist etwas Wunderbares. Ein befreiendes Arbeitsfeld, ein Gefühl ureigene Klänge in Raum und Zeit zu setzen.

Im Unterricht gibt es selbstverständlich auch Höhepunkte: nämlich immer dann, wenn Aha-Erlebnisse entstehen, wenn etwas im Gegenüber tief in der Seele ankommt- eben klingt und gelingt. STIMMT! Und die Augen zu leuchten beginnen.

 

Was singst du am Liebsten?
Dies ist eine schwierige Frage: Die französische Musik, die Romantik, den Impressionismus, die geistliche Musik – auch Barockmusik - und ich liebe es mit Komponisten und Komponistinnen zusammen zu arbeiten. Um ein paar Schwerpunkte zu nennen.

Ich führe auch sehr gerne selten gehörte Werke auf. Dazu gehören Werke von Komponistinnen, die manchmal einfach vergessen wurden“ schubladisiert“, sozusagen.

  

Wie geht die musikalische Reise weiter?
Mein Ziel ist noch lange zu singen und entsprechend sorgfältig und liebevoll mit mir und meiner Stimme umzugehen. Ich brauche sehr viel Zeit für mich alleine – viel Entspannung – und muss mich ganzheitlich pflegen. Sonst leidet die Stimme und das künstlerische Schaffen.

Ich kann mir vorstellen,, dass meine Musikreise noch zu grösseren Werken führt, die meiner Stimme mehr Spielraum und weitere Entfaltung geben – so dass ich aus dem Vollen schöpfen kann. Ich bin – und das war nicht immer so – offen für so viel Neues. Sowohl für leise, intime Musik, wie auch für dramatische Partien. Ich sage ja zu allem, was mir gefällt – zu wunderbarer Musik, die ich mit menschlich und künstlerisch zusammenklingenden Menschen aufführen kann.

 

Welches sind deine konkreten Pläne?
Lieder die ich bisher mit Klavierbegleitung sang   (da ist auch eine CD geplant), will ich neu auch mit Orchester singen.

Ich habe bereits erste Kontakte geknüpft, um ein Solistenquartett zusammenzustellen. Ein Solistenquartett, das klanglich und menschlich optimal zusammenarbeitet.

Und eines meiner grossen Ziele: das Verdi Requiem zu singen. Ich spüre jetzt schon eine tiefe Freude…

Vieles - auch Leises - ist sich erst am Entwickeln und wird schon bald zu hören sein.

Ich weiss, dass mein Instrument – meine Stimme – sich noch weiter entwickelt und neue Räume – innen und aussen – füllen wird.

Die Stimme ist ein Spiegel meiner Persönlichkeit, ich hoffe, dass ich so lange ich lebe in den Spiegel schauen kann.

Ich sehe einen Weg und Ziele gibt es auf dem Weg.